20.03.2006
Erfindergeist an der Hochschule
Unternehmen zur Patentanmeldung an Bochumer Ruhruniversität
Von Hilde Braun
Die Zahl der Patentanmeldungen an den Hochschulen steigt. An der Ruhruniversität Bochum gibt es ein eigenes Unternehmen, das sich um Erfindungen kümmert. Dort wurde jetzt die 100. Idee zum Patent angemeldet.
Im achten Stock des Uni-Hochhauses West kümmern sich drei Mitarbeiter der Rubitec um die Erfindungen der Hochschule. Sie führen die Telefongespräche mit dem Deutschen Patent- und Markenamt oder schalten einen Patentanwalt ein. Dietmar Tappe ist Prokurist des Unternehmens an der Universität. Die Ordner der Erfindungen füllen die Regalwand in den Büros:
"Also wir haben jetzt aktuell 64 Technologien zum Patent angemeldet, das heißt: für alle Fälle die Unterlagen in schriftlicher Form sammeln, parallel natürlich auch in elektronischer Form wie es heutzutage natürlich üblich ist."
Die meisten Erfinder sind wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule. Eva Neuhaus hat nach dem Biologiestudium ihren Doktortitel gemacht und arbeitet jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Zellphysiologie. Im Labor hat sie ein Protein entdeckt, das es Medikamenten einfacher macht, in menschliche Zellen einzudringen.
"Man sieht jetzt hier an den Krebszellen, die in dem Brutschrank wachsen, dass, wenn man die Substanz in die Krebszellen gibt, dass die viel schlechter wachsen also ohne die Substanz, das bedeutet, dass unsere Substanz möglicherweise das Wachstum von den Krebszellen verlangsamen kann und damit ein geeignetes Krebsmedikament darstellen könnte."
Die Neuentdeckung kam aber nicht plötzlich eines Tages im Reagenzglas ans Licht. Im Gegenteil. Tageslicht hat Eva Neuhaus im Labor kaum gesehen, die Arbeit ist mühselig. Wer etwas Neues für die Wissenschaft entdecken will, muss vor allem Geduld haben.
"Man hat oft erst eigentlich so einen Anhaltspunkt, wo man denkt, das könnte interessant sein und dann hat man ein paar Jahre Arbeit um herauszufinden und muss experimentieren ob die Idee stimmt. Man kommt schon an die frische Luft, aber unsere Forschungen finden halt schon oft im Labor statt, auch im dunklen Labor vor dem Mikroskop sitzend, und da verbringt man schon sehr viel Zeit, bis man genug Ergebnisse zusammengetragen hat, um sich sicher zu sein."
Bis ihre Mühe belohnt wird, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Die Anerkennung als neue Idee vom Patentamt kann bis zu drei Jahre dauern.
Dann folgen noch einmal fünf bis zehn Jahre Entwicklungsarbeit, bis die Industrie das Patent zum Beispiel als neues Medikament auf den Markt bringt. Erst dann bekommt der eigentliche Erfinder Geld. Bei der Rubitec sind es 30 Prozent der Einnahmen durch das Patent, die anderen 70 Prozent teilen sich die Rubitec und die beteiligten Industrieunternehmen.
Die Rubitec hilft Erfindungen anzumelden, mit Erfolg: Seit es das Hochschulunternehmen gibt, ist die Anzahl der Patente gestiegen. Dietmar Tappe:
"Es werden ungefähr 40 Prozent der eingereichten Erfindungsmeldungen zum Patent angemeldet, aktuell, jetzt jährlich."
Wer eine Erfindung in Bochum macht, muss zunächst formlos die Rubitec schriftlich darüber informieren und die Entdeckung beschreiben. Wird die Erfindung zugelassen, meldet die Rubitec sie über einen Patentanwalt beim Deutschen Marken- und Patentamt an. Klappt das, gibt es auf jeden Fall 500 Euro Erfinderprämie. Die meisten Ideen stammen aus naturwissenschaftlichen Bereichen:
"Wir bekommen circa 45 Prozent der Erfindungen aus den Bereichen Chemie, Biologie, Medizin, und der Rest verteilt sich dann relativ gleichmäßig auf die Bereiche Physik, Maschinenbau, Elektrotechnik."
Mit hochschulinternen Wettbewerben will die Rubitec erreichen, dass möglichst viele Mitglieder der Universität neue Ideen einreichen. Jeder, der eine Erfindung gemacht hat, kann sich melden. Manchmal gibt es auch Studierende, die eine Neuheit entdecken, allerdings sind das wenige. Dietmar Tappe:
"Es kommt vor, aber es sind dann höchstens 10 bis 15 Prozent."
Die Rubitec gibt es seit dem Jahr 2002, pro Jahr werden bis zu 30 Erfindungen eingereicht, Tendenz steigend. Inzwischen wurde das 100. Patent angemeldet. Dietmar Tappe weiß auch, dass in anderen Bundesländern mehr Erfindungen zum Patent angemeldet werden, wie zum Beispiel in Bayern und in Baden-Württemberg, dafür macht er in NRW eine fehlende Patentkultur verantwortlich:
"Zum einen ist es so, dass durch die Fraunhofer-Gesellschaft auch eine entsprechende Patentkultur schon über mehrere Jahre entwickelt wurde und dass demzufolge dann die Wissenschaftler verstärkt Patentanmeldungen melden, und man muss natürlich auch sagen, dass es dort eine engere Anbindung zu wachstumsträchtigen Industriebereichen gibt."
Die Ruhruniversität Bochum will mit der Rubitec und Erfinderwettbewerben erreichen, dass die Zahl der Patente aus Nordrhein-Westfalen in Zukunft noch mehr steigt.
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Quelle: www.dradio.de
Autor: Hilde Braun
Weitere Informationen:
rubitec - Gesellschaft für Innovation und Technologie der Ruhr-Universität Bochum mbH
