22.02.2006
Sachsens Hochschulen an Spitze
Jedes fünfte Patent wurde 2004 im Freistaat angemeldet
Innovation ist eines der Zauberworte, mit denen der Standort Deutschland sich profilieren will. Die Bundesregierung spricht gar von einem Innovationswettlauf, dem sich das Land stellen müsse. Die Hochschulen haben sich diesem Wettlauf schon lange angeschlossen. Zahlreiche Erfindungen und Patentan-meldungen kommen aus den Universitäten. Und die Hoch-schulen des Freistaats haben die Nase vorn. Die Technische Universität Dresden hat im vergangenen Jahr 87 Patente angemeldet.
Von den 519 im Jahr 2004 deutschlandweit von Hochschulen angemeldeten Patenten kamen 114 aus Sachsen. Damit lag der Freistaat weit vor Baden -Württemberg, das mit 75 Erfindungen den zweiten Platz einnahm. Für 2005 liegt die Statistik des Deutschen Patent- und Markenamts noch nicht vor.
Aber es sieht so aus, als könnte Sachsen seine Position als innovatives Forschungsland halten. Die Technische Universität Dresden (TUD) etwa habe im vergangenen Jahr 87 Erfindungen angemeldet, sagt Universitätssprecherin Kim-Astrid Magister. Am aktivsten sind dabei in Dresden die Mitarbeiter der Bereiche Biotechnologie und Medizintechnik. 30 Prozent der Erfindungen kommen aus diesen Fakultäten, aber auch aus den Instituten für Angewandte Photophysik, Nachrichtentechnik, Werkstoffwissenschaft, Landmaschinen und Verarbeitungstechnik oder Textil- und Bekleidungstechnik gehen seit Jahren regelmäßig Patente hervor.
Von der Universität Leipzig werden jährlich etwa fünf bis 20 Patente angemeldet, wie Roland Krause von der Forschungs-kontaktstelle der Hochschule berichtet. Daneben komme es zu weiteren Patenten im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Forschungsprojekten für Wirtschaftsunternehmen. Diese werden in der Regel von den Unternehmen unter Nennung der Erfinder angemeldet.
Die meisten Erfindungen gibt es in den Grundlagenwissen-schaften. Für weitere Forschungen seien diese von großer Bedeutung, für Laien jedoch oft schwer verständlich, erläutert Magister. Aber es gebe auch solche, unter denen jeder sich etwas vorstellen könne. So hätten die Dresdner Wissen-schaftler etwa eine Operationsmethode entwickelt, bei der Kieferorthopäden, um den Gaumen ihres Patienten zu weiten, nur noch zwei statt drei Löcher bohren müssen, erläutert Magister. Zudem sei an der TUD ein Verfahren erfunden worden, das den Flug von Raumschiffen stabilisiert und diese weniger trudeln lässt.
Doch Innovationen zu entwickeln, reicht nicht aus. Die Erfindungen müssen auch umgesetzt oder Gewinn bringend verkauft werden. Bereits vor fünf Jahren startete das Bundesforschungsministerium eine Verwertungsoffensive. Bis 2003 wurden bundesweit 38,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, von 2004 bis zum Ende dieses Jahres weitere 28 Millionen. An den sächsischen Hochschulen wird die Patentverwertung zur Hälfte aus diesem Topf gezahlt, 30 Prozent schießt der Freistaat zu, den Rest zahlt die jeweilige Universität.
Patent-Verwertung erfolgreich
Die Arbeit übernimmt vorwiegend die Sächsische PatentVerwertungs Agentur (SPVA). Sie kümmert sich um die Verwertung von Schutzrechten. Das bedeutet den direkten Verkauf des Patents, die Vergabe von Lizenzen oder das Einwerben von Drittmitteln für Projekte. Daneben spielen auch so genannte Spin-Offs, Existenzgründungen aus der Hochschule heraus auf der Basis von Erfindungen, eine besondere Rolle.
Mit der Patentverwertung in Sachsen ist die einfallsreichste Universität, die TUD, zufrieden. „Wir sehen uns gut aufgestellt“, sagt Magister. Die aufgebauten Strukturen funktionierten gut. Die Professoren könnten das Wissen und Potenzial der Hochschule nutzen. Die Verwertungsagentur übernehme aufwändige Arbeiten wie die Recherche, ob es auf dem Markt schon ähnliche Patente gebe. So können sich die Wissenschaftler weiter auf ihre Forschungen konzertieren.
Von Jule Scherer
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Quelle: LR-online
Autor: Jule Scherer
Weitere Informationen:
GWT-TUD GmbH; FB Sächsische PatentVerwertungsAgentur (SPVA)
